Sportspezifische Ziele: Handlungsschnelligkeit, schnelles Umschalten, richtiges Verhalten in Überzahl/Unterzahl-Situationen
Bildungsziele: Auseinandersetzung mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit antisemitischen Vorfällen im Handballkontext, Entscheidungsfindung unter Zeitdruck, Erweiterung des Fundus an Handlungsoptionen, Reflexion in der Gruppe

Aufbau
Spiel über das gesamte Spielfeld
Auf der Seitenlinie werden Hütchen aufgestellt, auf denen pro Seite 4 Bälle platziert werden (insg. 8)
Neben dem Spielfeld werden 2 Bereiche für “hilfreich” und “nicht hilfreich” definiert, in denen die Begriffskärtchen abgelegt werden können. Die Kärtchen liegen in der Mitte.
Um die pädagogischen Inhalte bestmöglich umzusetzen, empfehlen wir euch vor Trainingsbeginn unsere Didaktischen Hinweisen nochmal durchzulesen
Zu Beginn kann es hilfreich sein zu sagen, dass es bei der Zuordnung der Karten zu den Bereichen um die persönliche Einschätzung der SP geht und ob sie die Handlung in Bezug auf die Situation für sich als hilfreich oder weniger hilfreich einschätzen. Entsprechend gibt es an Ende der Übung keine Auflösung, welche der Kärtchen wo zu liegen haben. Stattdessen sollte die abschließende Diskussion dahingehend moderiert werden, dass eine gemeinsame Teamhaltung entwickelt werden kann. Da ggf. nicht alle SP die Möglichkeit hatten, die gelegten Karten in Ruhe durchzulesen, ist es sinnvoll, zu Beginn der Diskussion alle Karten einmal vorzulesen und allen einen Überblick über die Zuordnung zu geben, z.B.: “Unter ‘hilfreich’: habt ihr aktuell zugeordnet… “.
Ablauf
Den SP wird zu Beginn der Übung eine der untenstehenden Beispiele für antisemitische Äußerungen bzw. Handlungen im Handballkontext vorgestellt. Die Aufgabe der Übung besteht darin, Handlungsoptionen für den Umgang mit der Situation auszuwählen und diese den Bereichen “hilfreich” und “nicht hilfreich” zuzuordnen.
Dann beginnt die Übung. Zwei Teams spielen auf dem gesamten Spielfeld gegeneinander Handball. Sobald der Ball ins Aus geht, darf das Team in Ballbesitz einen beliebigen Ball von einer der beiden Auslinien ins Spielfeld passen.
Wer zuletzt am Ball war, sprintet raus (außer es handelt sich um die*den TH), um den Ball zurückzuholen und zum frei gewordenen Hütchen auf der Auslinie zu bringen. Anschließend nimmt sie*er sich eine Handlungskarte und ordnet sie einem Bereich zu. Das Spiel läuft währenddessen in entsprechender Über- bzw. Unterzahl weiter.
Ausnahme TH: Falls die*der TH den Ball zuletzt berührt hat, muss ein*e SP desselben Teams statt der*des TH den Ball, der ins Aus gegangen ist, holen.
Auch wenn ein Tor erzielt wird, sprintet die*der Torschütz*in raus, um eine Begriffskarte zuzuordnen. Das Spiel geht währenddessen weiter, auch hier mit entsprechender Unterzahl für das Team, das gerade ein Tor erzielt hat.
Wenn die Hälfte der Karten zugeordnet wurde, wechseln beide Teams die Seiten, damit beide Teams für eine Hälfte die Kärtchen auf ihrer jeweiligen rechten bzw. linken Seite haben.
Das Spiel endet spätestens nach 20 Minuten oder sobald alle Handlungskarten zugeordnet wurden.
Die TR versammeln die SP um die Kärtchen, um das Ergebnis zu besprechen. Hier kann die Einteilung der Kärtchen diskutiert sowie die konkrete Umsetzung der Handlungsstrategien besprochen werden. Im Anschluss bietet sich eine Diskussion darüber an, was das Ergebnis für eine gemeinsame Teamhaltung in Bezug auf Diskriminierung und Antisemitismus bedeuten kann.
Variationen
Variation 1: Bälle, die ins Aus gehen, werden nicht zurückgeholt. Somit gibt es eine Unterbrechung, sobald alle Bälle genutzt wurden (eignet sich als Einstieg).
Variation 2: Das Feld kann noch schmaler gemacht werden, um mehr Ausbälle zu provozieren.
Variation 3: Auch statt einem Abwurf durch die*den TH kann das Spiel von der Seitenlinie aus fortgesetzt werden. Die Person, die den Abwurf verursacht hat, muss den Ball holen und einen Begriff zuordnen.
Variation 4: Wenn das Spiel noch läuft, jedoch alle Kärtchen zugeordnet wurden, kann die*der TR das Spiel weiterlaufen lassen. Die SP können in diesem Fall eigene Handlungskarten hinzufügen. Hierfür sollten Zettel und Stifte bereitliegen.
Situation & Handlungskarten
Situation:
Eine*r deiner Mitspieler*innen hat während der Endphase eines Spiels ein Foul vorgetäuscht. Die*der gegnerische Spieler*in sagt im Weggehen außerhalb der Hörweite der*des Schiris: „Was für eine Judenaktion!“
Handlungskarten:
dem Verband melden
an Schiri melden
Trainer*in informieren
Ordner*in informieren
an Zusammen1 wenden
mit anderen Teams austauschen
im privaten Umfeld besprechen
in Kabine besprechen
mehr Informationen einholen
es dem gegnerischen Team „auf dem Platz“ zeigen
ignorieren
Person konfrontieren
andere aufmerksam machen
laut widersprechen
für Spielunterbrechung sorgen
für Spielabbruch sorgen
erklären, warum es antisemitisch ist
Polizei rufen
auf Social Media posten
Vorfall protokollieren
Blaue Karte einfordern
mit Humor reagieren
nicht weiter damit beschäftigen
nach dem Spiel für Gespräch bereitstehen
Banner gegen Antisemitismus aufhängen
Optionale Situation: Schmierereien an der Sporthalle
Euer Verein ist in Aufruhr: Über Nacht wurde die Sporthalle mit antisemitischen Parolen und Symbolen beschmiert. Anstelle des Trainings versammelt ihr euch in der Kabine und überlegt gemeinsam, was ihr tun könnt.
Folgende Handlungskarten rausnehmen:
an Schiri melden, Trainer*in informieren, Ordner*in informieren, in Kabine besprechen, es dem gegnerischen Team „auf dem Platz“ zeigen, Person konfrontieren, laut widersprechen, für Spielunterbrechung sorgen, für Spielabbruch sorgen, Blaue Karte einfordern, nach dem Spiel für Gespräch bereitstehen, ignorieren.
Folgende Handlungskarten dazu nehmen:
eine Beratungsstelle kontaktieren
Schmierereien entfernen/übermalen
dokumentieren
Aufklärungsplakate daneben kleben
Schutzkonzept entwickeln
Informationsmaterialien bereitstellen und verteilen
Aktionstag organisieren
Presse kontaktieren
Überwachungskameras anschaffen
Zusammen1 für eine Diskussion/einen Workshop einladen
