Sportspezifische Ziele: Sichere Pässe, peripheres Sehen, Freilaufen, 1x1-Verteidigung
Bildungsziele: Aushalten von Dilemmasituationen: es gibt keine „richtige“, allgemeingültige Lösung, Kennenlernen widerstreitender Gefühle und Werte, Wahrnehmung von Komplexität, Anregen von Perspektivwechsel
Ihr benötigt
mindestens 5 Bälle
4-8 Hütchen (nach Bedarf weitere Hütchen)
1 Dilemma-Situation ausgedruckt
2 Flipcharts/Taktiktafeln
mindestens 2 Marker/Stifte

Aufbau
In einer Spielfeldhälfte Übungsfeld aufbauen (Breite: gesamte Spielfeldbreite, Länge: jeweils Richtung Tor und Mittellinie eine 1,5m breite Zone mit Hütchen abstecken)
in anderer Spielfeldhälfte 2 Flipcharts oder Taktiktafeln mit Markern/Stiften für Dilemma-Station aufbauen
Um die pädagogischen Inhalte bestmöglich umzusetzen, empfehlen wir euch vor Trainingsbeginn unsere Didaktischen Hinweisen nochmal durchzulesen
In dieser Übung ist es wichtig, zu vermitteln, dass es keine eindeutig “richtige” oder “falsche” Lösung für das Dilemma gibt. Es geht vielmehr darum, die Herausforderung einer Entscheidungsfindung in einer Dilemma-Situation sowie die guten Gründe für unterschiedliche Handlungsstrategien sichtbar zu machen. Somit gibt es in der anschließenden Diskussion auch keine “Auflösung” – der Fokus liegt stattdessen auf dem Erfahren der Vielschichtigkeit und Komplexität der Situation. Die Frage, wie ein guter Umgang mit antisemitischen Situationen im Handball aussehen kann, wird in der vierten Übung vertieft.
Möglicherweise fällt es den SP schwer, gute Gründe für die Handlungsoption zu finden, die sie selbst nicht favorisieren. Hier gilt es, sie zu ermutigen, sich in die andere Perspektive hineinzuversetzen. Es geht an dieser Stelle nicht um das Begründen ihrer eigenen Meinung, sondern das Sichtbarmachen verschiedener Sichtweisen auf die Situation, um dadurch die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern.
Ablauf
Zu Beginn wird den SP eine Situation erzählt, in der sich eine Person in einem Dilemma befindet. Die SP versetzen sich dabei in die Perspektive dieser Person. Ihnen werden zwei Optionen angeboten, auf das Dilemma zu reagieren. Die SP werden aufgefordert, sich für beide Optionen gute Gründe zu überlegen.
Zu jeder Option gibt es eine Flipchart, die am Rande des Spielfelds aufgestellt ist und auf die die SP in der Spielpause notieren sollen, welche Gründe für die jeweilige Option sprechen. Nachdem mögliche Rückfragen geklärt wurden, beginnt die Übung.
Das Team wird in 4 Gruppen eingeteilt. Die Gruppen A und B spielen im abgesteckten Bereich gegeneinander. Gruppe C wird zu Bandenspieler*innen und verteilt sich auf den zwei abgesteckten Seiten des Vierecks (4vs4+4).
Gruppe A ist in Ballbesitz, Gruppe B versucht in Ballbesitz zu kommen. Ziel des Spiels ist den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Dabei darf Gruppe C als Bandenspieler*innen vom ballführenden Team eingebunden werden. Geht der Ball ins Aus, wechselt der Ballbesitz.
Gruppe D versammelt sich in der zweiten Spielfeldhälfte und erhält nochmal eine kurze Zusammenfassung der Situation. Die SP werden aufgefordert, sich jeweils für Option A und B Begründungen zu überlegen und diese auf der jeweiligen Flipchart zu notieren. Bevor sie etwas auf die Flipchart schreiben, prellen die SP der Gruppe D jeweils mit einem eigenen Ball innerhalb ihrer Spielfeldhälfte zwei Runden im Kreis. Diese Prellphase können die SP nutzen, um über die Dilemma-Situation zu diskutieren. Wenn sie es zeitlich schaffen, können sie nach einer weiteren Prellrunde zur anderen Flipchart wechseln und dort ihre Ideen notieren.
Hinweis: Die Anzahl an Prellrunden in der Dilemma-Spielfeldhälfte kann an Alter bzw. Laufgeschwindigkeit beliebig angepasst werden. Wichtig ist nur, dass ausreichend Zeit und Gelegenheit bleibt innerhalb der Gruppe zu diskutieren und die Begründungen auf den Flipcharts zu notieren.
Nach 2 Minuten rotieren die Gruppen: Gruppe D betritt das Spielfeld und spielt gegen A. Gruppe B wird zu Bandenspieler*innen und Gruppe C rückt auf zur Dilemmadebatte. Dies wird so lange fortgesetzt, bis sich jede Gruppe zweimal an der stillen Diskussion beteiligt hat
Zum Schluss kommen alle zusammen und besprechen gemeinsam die Ergebnisse auf den Flipcharts. Hierbei muss es nicht zu einer Lösung kommen, es geht vielmehr darum, die Herausforderung einer Entscheidungsfindung in einer Dilemma-Situation sowie die guten Gründe für unterschiedliche Handlungsstrategien sichtbar zu machen. Mögliche Leitfragen sind: „War es schwierig, Gründe für die jeweilige Option zu finden? Wenn ja, warum?“, „Gab es Aha-Momente?“, „Was könnt ihr nachvollziehen, was nicht?“.
Variationen
Variation 1: Spiel um Punkte: Für 10/15/20 Pässe am Stück erhält ein Team einen Punkt.
Variation 2: Bandenspieler*innen dürfen nur durch Bodenpässe eingebunden werden.
Variation 3: Bei ungerader Anzahl von SP kann im Spielfeld auch eine Person zur*m Wechselspieler*in ernannt werden, die*der immer die ballführende (alternativ: die verteidigende) Gruppe unterstützt.
Variation 4: Überzahl-Unterzahl-Variante: Die Person, die den Ball verliert, muss abseits des Spielfelds eine Sonderaufgabe erfüllen (z.B. geringe Anzahl an Liegestützen, Kniebeugen o. Ä.), bevor sie wieder mitspielen darf. Die eigene Gruppe ist währenddessen in Unterzahl.
Dilemmasituation
Ihr habt euch als Team entschieden, entschlossen gegen Diskriminierung Haltung zu zeigen. Eine Überlegung war, dass ihr ein Spiel abbrecht und geschlossen das Feld verlasst, wenn es zu einer diskriminierenden Beleidigung durch das gegnerische Team kommt und die*der Schiri nicht handelt.
Bei einem eurer nächsten Ligaspiele steht es in der 35. Minute 13:11. Das Spiel ist hitzig, es kam bereits zu einigen Fouls und Beleidigungen. Ihr seid gerade am Drücker, als eine*r eurer Spieler*innen bei einem Zweikampf geschubst und mit “du Scheißjude” angefeindet wird. Die*der Schiri reagiert auf das Gesagte nicht weiter.
Was wollt ihr tun?
Option A: Ihr bleibt bei eurem Vorsatz, das Spiel abzubrechen und euch zu weigern, weiter gegen das Team zu spielen, wenn die*der Schiri keine Maßnahmen ergreift.
Option B: Ihr spielt weiter und entscheidet später, wie ihr mit dem Vorfall umgehen wollt.
